Helix (Spoileralarm)

Spoileralarm – das ist meine neue Kategorie für Beiträge, die meiner Sucht nach Serien geschuldet sind. Dank Streaming ist die Auswahl derzeit ungeheuer groß – die Bandbreite zwischen “Klasse” und “geht gar nicht” aber auch. 

Helix soll die erste Serie sein, über die ich schreibe. Es fängt lustig und harmlos an. Neue Mitarbeiter der Seuchenschutzbehörde CDC werden eingeführt und Dr. Alan Farragut übernimmt das. Er ist der beste Seuchenschützer der Welt der CDC und so mit seinem Beruf verheiratet, dass er sich von seiner Frau getrennt hat. Oder sie von ihm. Was sie nicht daran hindert, auch bei der CDC zu arbeiten und – wie zufällig – auch in seinem Team.

“Haben wir das nicht schon gesehen?”

“Kommt mir auch irgendwie bekannt vor.”

“Aber das sind andere Gesichter.”

“Stimmt, das Setting kennen wir aus The Strain.”

Eben. Die CDC mit den gottgleichen Befugnissen, die man ihr zur Eindämmung von Pandemien gegeben hat, ein wahnsinnig, wahnsinnig erfahrener und besessener Epidemiologe, der durch seine Besessenheit seine Frau verloren hat, das gibt es auch in Guillermo de Toros Serie The Strain, die zwar drei Monate nach Helix erstausgestrahlt wurde, die wir aber zufällig vor Helix gesehen hatten.

Dr. Alan Farragut muss nun mit seinem Team ins ewige Eis reisen, da sein Bruder, Dr. Peter Farragut, von einer privaten Forschungsstation aus einen Notruf abgeschickt hat. Irgendein Virus ist auf der Station ausgebrochen und es ist kompliziert, da die Station privat ist und außerhalb jeglicher Zuständigkeit liegt. Trotzdem besteht die Gefahr, dass der Erreger irgendwann die ganze Menschheit ausrottet.

Deshalb wird Major Sergio Balleseros als militärischer wasauchimmer beigeordnet. Man vermutet schon, dass er nicht nur zur Sicherheit des CDC-Teams dabei ist, sondern militärisches Interesse an biologischen Kampfstoffen besteht. So ist dann auch nicht verwunderlich, dass die Menschen, die ihm vertrauen, irgendwann tot oder verschollen sind.

Leiter der Station ist Dr. Hiroshi Hatake, gespielt von Hiroyuki Sanada. Sanada spielte in Ring (dem Original) den Ehemann, spielte unter anderem in Lost, Wolverine – Der Weg des Kriegers, und der SF-Mystery-Serie EXTANT. Dort war seine Rolle die eines Industriebosses, der oft mit reglosem Gesicht das, was geschah, aus der Entfernung beobachtete und Fäden zog.

In Helix spielt er einen Wissenschaftler und Versuchsstationsleiter, der oft mit reglosem Gesicht und vor der Brust verschränkten Armen das, was geschieht, aus der Entfernung beobachtet und Fäden zieht.

Auf der Station ist Peter Farragut also mit diesem sonderbaren Erreger infiziert und liegt im Koma. Sein Blut ist dicke schwarze Pampe, er scheint Schmerzen zu haben und entkommt dann durch mysteriöse Superkräfte, um andere zu infizieren, indem er ihnen dicke, schwarze Pampe in den Mund spuckt.

Auf der Suche nach der Quelle dieser Infektion entdecken die CDC-Mitarbeiter Affen (die eigentlich gar nicht da sein sollten) und Ratten, die nach der Infektion gewalttätig und superstark wurden, aber gleichzeitig ziemlich blöde.

Durch einen wahnsinnig zufälligen Zufall wurde auf der Forschungsstation auch an einem Wundermittel gegen Viren aller Art geforscht, das zwar 100% der Viren, aber auch 30% der Versuchstiere dahingerafft hat. Das CDC-Team forscht und forscht, während Dr. Hatake auffälliges Interesse an Dr. Julia Walker, der Exfrau von Alan Farragut, zeigt.

Was mir direkt ab der ersten Sendung gefiel war die von Reinhold Heil komponierte [Amazon-Partner-Link] und konzipierte Musik, die oft einen Kontrapunkt zur Handlung setzt. Schon die Titelmusik passt bis zum dystonalen Schlussakkord so gar nicht zu einer Horrorserie.

Blutige Kämpfe zwischen den infizierten Zombies und dem Team in leichter Zeitlupe zu zeigen und mit klassischen, ochestralen Harmonien oder einem Bossa Nova zu unterlegen steigert die Absurdität der Geschichte jedoch.

In Staffel 2 ist das Team personell fast identisch – nur Julia Walker ist nicht dabei – und muss eine weitere Seuche untersuchen, die auf Schiffen ausbrach und die Befallenen geradezu verhaltensauffällig bis hin zum Mord an allen Kameraden auf dem Schiff machte. Als Quelle stellt sich eine Insel heraus, auf der eine Gemeinde eine sehr esoterische Lebensweise pflegt.

Gleichzeitig wird in einem zweiten Handlugsstrang erzählt, wie Julia Walker 30 Jahre später auf dieselbe Insel kommt und nach etwas Bestimtem sucht. Beide Geschichten zusammen ergeben dabei erst die komplette Story, die zudem einen Twist für eine weitere Staffel erzeugt. Wobei diese aber nie gedreht wurde.

Zu sehr spoilern will ich nicht, denn wirklich schlecht ist die Serie nicht. Sie besteht nur halt aus bewährten Elementen:

  • Monster, die sich in Lüftungsschächten fortbewegen
  • Verschwörungen der Industrie
  • Verschwörungen des Militärs
  • Verschwörungen von sonderbaren Geheimlogen
  • Einsame Forschungsstationen im ewigen Eis
  • Esoterische Sekten auf einer einsamen Insel
  • Einem “Ich bin Dein Vater”-Moment
  • Zombies
  • Eifersucht und Seitensprüngen

Unter dem Strich ein nettes Abenteuer für Binge Viewer, die ein Wochenende ohne lineares Fernsehen verbringen wollen.

Wobei das Casting etwas verbesserungswürdig ist. Die Farragut-Brüder sehen sich recht ähnlich, bloß am Ende, als sie erstmals errinnerbar in einem Bild nebeneinander standen, fragt man sich, warum der kleine Bruder gleich gefühlte drei Köpfe kleiner sein muss. Und wenn die Tochter eines japanischen Vaters so gar nicht asiatisch aussieht wirkt die Überraschung dann sehr gewollt.

★★★★☆ Spannung
★★★☆☆ Handlung
★★☆☆☆ Casting
★★★★★ Musik

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