Gib mir Zahlen: Droht uns durch Flüchtlinge eine Tuberkulose-Epidemie?

Veröffentlicht von vk am

Die AfD hat heute über ihren offiziellen Twitter-Account eine der beliebten Bullshit-Grafiken gepostet, nach der das Robert-Koch-Institut (RKI) vor Tuberkulose durch Flüchtlinge warnt. Fake oder echte Gefahr? Lassen wir die Zahlen sprechen.

++ Immer mehr #TBC durch Zuwanderer in Deutschland! ++Das Robert Koch-Institut warnt: Die #Tuberkulose ist auf dem Vormarsch. Eine akute Gefährdung für die Bevölkerung und immense Kosten für das Gesundheitssystem sind die Folge.

(Tweet der AfD)

Postwendend hat das RKI geantwortet:

Das #RKI hat nicht gewarnt. Die Zahl der #Tuberkulose-Erkrankungen ist 2017 leicht gesunken. Infektionsrisiko innerh. der All­gemeinbevölkerung ist unverändert sehr gering. Richtig ist, dass TB-Fälle hohen Aufwand für Gesundheitssystem sind und die Mehrzahl nicht in D geboren ist

(Tweet des RKI)

Tatsächlich gibt es von 2014 auf 2015 einen Anstieg der Tuberkulosediagnosen um mehr als 25% von 4.488 auf 5.865 Fälle. Aber wie immer bei Statistiken und Fallzahlen ist es völlig unzureichend, lediglich dieses eine Zahlenpaar zu betrachten.

Nimmt man die Zahlen ab 2001, die alle auf der Homepage des RKI zu finden sind, sieht es vollkommen anders aus:

2001: 7.866
2002: 7.684
2003: 7.330
2004: 6.583
2005: 6.045
2006: 5.402
2007: 5.020
2008: 4.543
2009: 4.444
2010: 4.330
2011: 4.317
2012: 4.220
2013: 4.318
2014: 4.488
2015: 5.865
2016: 5.915
2017: 5.486

Oder, als Visualisierung besser zu sehen:

Gib mir Zahlen: Droht uns durch Flüchtlinge eine Tuberkulose-Epidemie?
Tuberkulosefälle in Deutschland, 2001-2017, Quelle: Robert-Koch-Institut

Was sagen diese Zahlen?

In den Jahren ab 2001 (möglicherweise noch länger, aber auf die älteren Daten konnte ich ad hoc nicht zugreifen) sinkt die Anzahl der Tuberkulosediagnosen kontinuierlich.

Dass sie ab 2015 wieder steigt ist absehbar gewesen, denn es sind Menschen aus Ländern mit geringerem Lebensstandard unter Entbehrungen zu uns geflüchtet und wurden zunächst in Sammellagern untergebracht.

Mangelnde hygienische Standards auf dem Weg, die durch die Umstände der Flucht belastete Gesundheit der Menschen, die Unterbringung in zu einem großen Teil überbelegten Sammelunterkünften – all das fördert natürlich die Verbreitung von Krankheiten, darunter auch Tuberkulose.

Aber diese Erkrankungen stellen, anders, als die AfD es darstellen will, exakt keine Gefahr für die Gesamtbevölkerung dar, da sie in erster Linie in Flüchtlingsunterkünften auftreten und dort gezielt und auch durch Impfungen prophylaktisch behandelt werden.

Wäre die Gefahr, die die AfD da an die Wand malt, real, dann hätten wir 2001 und in den Jahren davor massive Tuberkulosewellen in Deutschland haben müssen, die Anzahl der Erkrankungen war damals nochmal um einiges höher, als sie heute ist.

Fazit: Es besteht durch Flüchtlinge keine Gefahr einer Tuberkuloseepidemie. Davor hat das RKI auch nie gewarnt.

Das Betrachten der Veränderung solcher Zahlen von einem Jahr auf das andere ohne Betrachtung der längerfristigen Tendenzen ist unzulässig und in diesem Fall bewusst irreführend. Betrachtet man auf dieselbe Weise die Entwicklung von 2016 auf 2017 müsste man mit derselben Begründung Entwarnung geben, da die Zahlen deutlich sinken.

Betrachtet man die Zahlen von 2001 bis 2017 als Ganzes, so erkennt man die haltlose Panikmache.

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Frank Frei

Im Hegenteil Die Zahlen sind weit untertrieben. TBC ist der Killer Nr. 2 nach Malaria auf der Welt. Die Durchseuxhung ausserhhalb der BRD ist bekannt und extrem gross.
Die Zahlen der RKI zwigen diese Gefahr nur zum Teil, da gar nicht gemessen wird wer TBC hat und uns besuxht.

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