Ich hatte in Teil 1, „Tricksen, Täuschen, Lügen„, einige Fälle aufgeführt, bei denen Armin höchstwahrscheinlich unaufrichtig war, versucht hat, es zu vertuschen, und selbst dann, wenn er nicht damit durchgekommen ist, keine ernsthaften Konsequenzen erleiden musste. Also mit Lügen, Tricksereien und Täuschungen durchgekommen ist.

[UPDATE] Es gibt einige zusätzliche Infos, die ich nachgeschoben habe.

Diesmal will ich etwas darüber schreiben, dass Armin Laschet konservativ ist.

Erzkonservativ.

Sogar innerhalb der CDU erzkonservativ.

Und näher an der AfD und dem umstrittenen Opus Dei steht, als er zugeben würde.

Dabei passt das doch gar nicht zu seinem Bussibär-Auftreten. Was steckt dahinter?

Fangen wir mal mit der Familie seiner Frau an.

Susanne Laschet, geb. Malangré, und Armin kennen sich schon seit der Grundschule.

Ihr Vater, Heinz Malangré. Dieser war seit 1984 hauptberuflich Geschäftsführer des katholischen Einhard-Verlags, der dem Erzbistum Aachen gehört. Dort war auch Armin Laschet eine Weile tätig.

1974 wurde er zum Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem geschlagen. Die FAZ schrieb 2014 über diesen Orden:

Konservativ, katholisch, elitär verbunden. Das sind die Ritter des Ordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Ihre Aufgabe: Sammeln und im Nahen Osten die Fahne der Christenheit hochhalten. Auch jetzt, auch im Krieg.

Zwar zeichnet sich der Orden durch viele karitative Tätigkeiten aus und finanziert dabei auch Schulen für muslimische Kinder in Jerusalem, das Leitmotiv des Ritterordens jedoch, Deus lo vult („Gott will es“), war auch die Parole, mit der zum Ersten Kreuzzug aufgerufen wurde. Und dessen Ziel war die Befreiung des Heiligen Landes von den Ungläubigen.

All das zeichnet das Bild eines überaus gläubigen Christen, dessen Familie nicht umhin kommt, ebenso zu leben.

Der Onkel von Susanne Malangré war Kurt Malangré. Der war nicht nur Oberbürgermeister von Aachen, sondern auch „Supernumerarier“ bei Opus Dei. Mitglieder dieser katholischen Gruppe leben üblicherweise als Junggesellen in klosterähnlichen Einrichtungen, aber Supernumerarier halt nicht. Die leben ganz normal draußen, haben Frau und Kind und sind dennoch dem Codex von Opus Dei verpflichtet.

Ich bin kein Freund von Sippenhaft, aber Opus Dei spielt noch mehrmals eine Rolle, daher sollten die Leser:innen, denen die Organisation nichts sagt, den verlinkten Wikipedia-Artikel lesen.

Unter Kritik findet sich dort:

Kritiker werfen dem Werk Gottes eine starke, sehr konservative politische Ausrichtung vor, ferner Geheimniskrämerei, undurchsichtiges Finanzgebaren und extreme Praktiken der Selbstkasteiung. Michael Schmidt-Salomon sieht ein „Demokratiegefährdungspotential“. In der innerkatholischen Kritik nannte schon in den 1960er Jahren der schweizerische Theologe Hans Urs von Balthasar das Opus Dei die „stärkste integralistische Machtballung“, die es heutzutage in der katholischen Kirche gebe.

Nun habe ich keinen Beleg dafür, dass Laschet Mitglied bei Opus Dei ist oder der Organisation auch nur nahe steht.

Schauen wir uns als nächstes den Chef von Laschets Staatskanzlei an, also sowas wie den Kanzleramtsminister. Es ist Nathanael Liminski. Man geht derzeit auch davon aus, dass Liminski bei einer Kanzlerschaft Laschets auch eben Kanzleramtsminister wird.

Wikipedia schreibt über Liminski:

Der gebürtige Bonner Nathanael Liminski stammt aus einem römisch-katholischen, eng mit der Laienorganisation Opus Dei verbundenen Elternhaus

So ein Zufall aber auch!

Schon in der Jungen Union (JU) war Liminski „konservativer Vordenker“. 2007 sagte er dem Spiegel, dass er viele Homosexuelle kenne, einige täten ihm leid, der Staat müsse aber die „natürliche Form der Ehe und Familie“ fördern. Kaum verwunderlich, dass er Abtreibungen in den meisten Fällen für ethisch unvertretbar hielt.

Liminski, der 1985 geboren (und damit so alt wie mein Abitur) ist, kommt nachgerade so vor, als hätte er Jahrzehnte seine Lebens unter einem Stein verbracht und nichts von der Welt da draußen mitbekommen. Offenbar hat er im konservativen, Opus Dei-nahen Elternhaus gut behütet alle Liberalisierungen der letzten 30 Jahre als verwerflich und abzulehnen miterlebt.

Liminski besteht den sog. „Ententest“ in Hinblick auf erzkonservativ-katholische und Opus-Dei-kompatible Ansichten mit Bravour: Wenn es aussieht wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es wahrscheinlich eine Ente.

Das Kapitel Liminski geht aber noch weiter.

[UPDATE] Jürgen Liminski, der kürzlich verstorbene Vater Nathanaels, war eben nicht nur Mitglied von Opus Dei sondern schrieb auch für die Zeitschrift „Junge Freiheit“. Wikipedia schreibt zu dieser Zeitung:

Wolfgang Gessenharter prägte 1992 in der wissenschaftlichen Debatte zur Einordnung der JF den Begriff Scharnierfunktion. Das Blatt versuche im publizistischen Bereich „in typischer Scharnierfunktion ihre Ideologie zwischen Konservativismus und Rechtsextremismus zu plazieren“.
[…]
Armin Pfahl-Traughber prägte 1992 die Begriffe Brücken-Funktion und Brückenspektrum. Die JF sei das publizistisch erfolgreichste Projekt im Brückenspektrum. Des Weiteren beschreibt er die Zeitung seit 1999 als Bestandteil der Neuen Rechten, die er als intellektuellen, inhomogenen Teil des Rechtsextremismus einordnet.
[…]
Astrid Lange kam 1993 nach Auswertung von 50 rechten und rechtsextremen Presseerzeugnissen in Deutschland zu dem Schluss, dass die „Junge Freiheit“ ein Sammelbecken der Neuen Rechten sei; vor allem Ungleichheitsvorstellungen würden von der Zeitschrift gefördert, sie wende sich gegen den Pluralismus sowie gegen Meinungs- und Glaubensfreiheit.
[…]
Michael Pechel untersuchte 2007 über 30 zwischen 2000 und 2007 von Redaktion, Haupt- und häufigen Gastautoren verfasste JF-Artikel zu Themen der Zeitgeschichte. Nach Ansicht von Pechel zeige sich in diesen Beiträgen ein „zutiefst rückwärtsgewandtes“ Geschichtsbild, das eine „offene Flanke zum Geschichtsrevisionismus“ aufweise.
[…]
Für den Politikwissenschaftler Gideon Botsch ist die JF 2017 das „publizistische «Flaggschiff» und «Vorzeigeprojekt» der so genannten Neuen Rechten“.

Nathanael Liminski schreibt nicht für die Junge Freiheie, sondern für das Gemeinschaftsblog „Die Freie Welt„. Für diese Plattform schrieb nicht nur sein Vater Jürgen Liminski oder der vom Spiegel nach rechts gedriftete Jan Fleischauer. Auch Pegida-Rednerin, Klimawandelleugnerin und Corona-Leugnerin Vera Lengsfeld gehört zu den Autor:innen, und die stellvertretende Bundessprecherin und stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der AfD, Beatrix von Storch.

Was nicht überraschend ist, denn der Betreiber und gleichsam Herausgeber der Plattform ist ihr Ehemann, Sven von Storch, der laut Wikipedia eine Reihe von Kampagnenorganisationen der AfD leitet.

Das ist kein Zufall, kein Versehen. Nathanael Liminski pflegt auch Kontakte zur Werte Union, die von der CDU weder offen anerkannt noch abgelehnt wird, und anderen Gruppen und Personen, die an der Grenze zwischen CDU und AfD positioniert werden müssen. Diese Verbindungen kann man beim Recherchekollektiv Dokumentieren Gegen Rechts von Brooke Kramer unter diesem Link im Detail nachlesen.

Armin Laschet ist also nicht nur selber sehr konservativ, er hat zudem eine Ehefrau aus einer Familie, die dem erzkonservativen Opus Dei nahesteht und einen Vertrauten und Leiter der Staatskanzlei, der selber aus einer Opus-Dei-Familie stammt , Kontakte zur Werte Union pflegt und für ein AfD-nahes Internetportal schreibt.

Seine schützende Hand als Parteivorsitzender der CDU, die er über Hans-Georg Maaßen hält, verwundert da nicht mehr. Maaßen, der schon mehrfach mit Äußerungen auffiel, die auch in der CDU grenzwertig weit rechts sind, und u.a. deshalb seinen Posten als Chef des Bundesverfassungsschutzes verlor, ist in letzter Zeit in den Medien mehrfach als sehr weit rechtsaußen aufgefallen.

So warf Luisa Neubauer Armin Laschet in einer TV-Talkrunde vor, er

legitimiere „rassistische, antisemitische, identitäre und übrigens auch wissenschaftsleugnerische Inhalte, verkörpert durch Hans Georg Maaßen“.

Tagesspiegel vom 14.5.2021

Laschet sagte, Maaßen sein kein Antisemit, was in den folgenden Tagen zu einer heißen Diskussion mit Vorwüfen gegen Luisa Neubauer gipfelte.

Professor Uffa Jensen, Antisemitismusforscher aus Berlin, gab Luisa Neubauer Recht:

Der Herr raunt gerne. Er raunt von großen Gefahren und bösen Mächten, die unser System und unsere Lebensweise oder unsere Demokratie gefährden. Er nutzt dafür diese Begriffe wie Globalisten und Leninisten, Great Reset. Er suggeriert damit eine Vorstellung, dass da etwas Bösartiges abläuft, was uns bedroht. Als ehemaliger Verfassungsschutzpräsident kennt er das Milieu, auf das er da zielt, und dessen Vokabeln er benutzt, ganz genau. Er weiß, wo er da unterwegs ist. Der Verfassungsschutz hat in einem Lagebericht zum Antisemitismus 2020 übrigens auch Begriffe wie Globalisten und Medien wie das Compact-Magazin, dem Maaßen ein Interview gegeben hat, klar als antisemitisch beziehungsweise als Verdachtsfall aufgeführt.

Redaktionsnetzwerk Deutschland vom 13.5.2021

Auch aktuelle Verfassungsschützer werfen Maaßen Antisemitismus vor.

Laschet schweigt dazu und schützt Maaßen, der lautstarkes Mitglied des umstrittenen rechten CDU-Flügels „Werteunion“ ist.

Maaßen ist inzwishcen Kandidat für die Bundestagswahl, bedient sich aber nach wie vor rechten Narrativen, die wir auch aus der AfD kennen: Alle Parteien links von ihm sind gleich linksextremistisch. Die SPD, die Grünen (denen ich angehöre) auch. Dadurch verschiebt er im Diskurs die „Mitte“, als die er sich definiert, nach rechts. Alle Versuche, ihn als rechts darzustellen, wirken schnell wie ein auf dem Pausenhof wutschnaubend gebrülltes „Aber du bist noch viel schlimmer“.

Anfang Juli kamen Maaßens Wahlkampfäußerungen (anders kann man das derzeit nicht interpretieren) in die Medien, nach denen er ARD-Journalist:innen auf ihre Verfassungstreue prüfen lassen wolle, denn diese Personen seien eindeutig (wer kommt drauf?) linksextrem.

Ein ungeheurer Sturm der Entrüstung brach aus, denn das ist ein Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit, wie es ihn lange nicht gegeben hat. Und das von einem ehemaligen Verfassungsschutzchef, der von der CDU als Kandidat für den Bundestag aufgestellt wurde.

Tobias Hans (CDU), Ministerpräsident des Saarlandes forderte Maaßen auf, die Partei zu verlasen. Der Vorsitzende des Arbeitnehmerflügels der Union im Bundestag, Uwe Schummer, forderte von den Thüringer Kreisverbänden, sich von Maaßens Kandidatur zu distanzieren. Dennis Radtke (CDU), Mitglied des Europäischen Parlaments, forderte Maaßen auf, sowohl die Kandidatur niederzulegen als auch die Partei zu verlassen.

Und was sagt der CDU-Vorsitzende, Ministerpräsident von NRW und Kanzlerkandidat Laschet?

Laschet sagte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen im CDU-Vorstand ohne den Namen Maaßen zu nennen, Aussagen von Direktkandidaten in Südthüringen seien nicht hilfreich. „Solche Debatten schaden uns.“ Umfragen könnten sich blitzschnell wieder ändern. 

Der Merkur vom 6.7.2021

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Nicht ein ehemaliger Verfassungsschutzpräsident, der sich mit nachweislich antisemitischen und verfassungsfeindlichen Äußerungen hervor tut, schadet der CDU, sondern die Debatte um ihn und seine Aussagen!

Schaut man sich an, wie Laschet aktuell in Sachen Rundfunkpolitik agiert, ergibt das sogar Sinn.

Der Rundfunkrat des WDR setzt sich aus 55 Mitgliedern zusammen, von denen einige durch die Fraktionen im Landtag bestimmt werden und andere von im WDR-Gesetz genannte Organisationen entsandt werden. Es gibt da immer wieder einige Fluktuation, aber ausgerechnet jetzt, kurz vor der Bundestagswahl und Lasches möglichem Ende als Ministerpräsident von NRW, wurde da nochmal „umgeräumt“:

Der NRW-Landtag hat offenbar auf Druck der CDU von Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Armin Laschet laut einem „Spiegel+“-Bericht Ende Juni der Entsendung eines Vereins in den WDR-Rundfunkrat zugestimmt, in dem Homophobie und Ausländerfeindlichkeit verbreitet sind. Dabei handelt es sich um den als gemeinnützig registrierten Verband kinderreicher Familien Deutschland e. V., der als einer von fünf neuen Vereinen Einzug ins Kontrollgremium des größten ARD-Senders hält (Landtags-PDF).
[…]
Der Verband mit angeblich 6.000 Mitgliedern setzt sich vordergründig dafür ein, Menschen Mut zu machen, drei und mehr Kinder zu bekommen. In Wirklichkeit tummelten sich dort laut „Spiegel“ aber Personen, die gegen Minderheiten polemisieren. Teil des Beratergremiums sei etwa Manfred Spieker. Der 78-Jährige ist ein notorischer „Demo für alle“-Aktivist und Mitglied in der homophoben katholischen Organisation „Opus Dei“.
[…]
Auch im Rat vertreten ist Herwig Birg, der auf AfD-Veranstaltungen gegen „Zuwanderung aus dem Ausland“ mobil macht.

Queer.de-Bericht vom 12.7.2021

Überrascht das? Ein Verband im Rundfunkrat, der ein Opus-Dei-Mitglied im Vorstand und einen AfD-nahen Zuwanderungsgegner im Beirat hat? Schon wieder Verbindungen zu Opus Dei und der AfD?

Und dann, vor wenigen Tagen:

Wenn jemand eine Aussage mit „Ich bin ja kein Nazi, aber…“ beginnt, ist klar, worauf das hinaus läuft. Selbst seine Aufforderung noch im Juni an die CDU, sich von der AfD abzugrenzen, erscheint bei dieser Häufung von hübsch ignorierten AfD-Einflüssen in seinem Umfeld wie Tricksen, Täuschen, Lügen.

Kategorien: Allgemein

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Heinz Baumann
3 Jahre zuvor

Nun das ist doch alles nicht wirklich glaubhaft, nicht in echt,
Leider ist glauben nicht wissen !!!

Heinz Baumann
3 Jahre zuvor
Reply to  Heinz Baumann

“ Onkel Armin“ schmeichelt, speichelt ist nicht echt, grinst über seine Worte hinweg.