Sie nannten ihn Lübke

…und so hieß er auch. Heinrich Lübke. Der legendäre Bundespräsident nicht der Herzen, aber der Fettnäpfchen.

 

Dann kamen wir nach Teheran. Da habe ich gleich gesehen, die Leute waren alle sauber gewaschen.

Was heutzutage zu diplomatischen Verwicklungen führen könnte, mindestens aber zu Memes, die auf Twitter viral gehen, war damals normal für unser Staatsoberhaupt.

Ich habe dem Präsidenten von Kamerun vorgezählt, wie viele verschiedene Teile von Deutschland es gibt. Es sind praktisch fünf Teile.

Lübke war nun nicht voller Vorurteile über Menschen, die nicht aus Deutschland stammen, nein, er hatte auch nicht unbedingt das parat, was man in der Schule über das eigene Land gelernt hatte.

Sie können sich denken, dass ich lange nicht mehr in der Schule war. Ich meine, das geistige Niveau ist natürlich gleichermaßen gesunken.

Immerhin hat er es möglicherweise mit Humor genommen. Wie auch die Deutschen ihn nicht so ganz für Voll nahmen.

Liebe Mitbürger, liebe Jugend! Ich danke zunächst einmal herzlich für den großartigen Empfang, den mir hier diese Stadt und hier der Marktplatz voller gedicht.., dichter Leute, stehender, dichstehender Leute bereitet hat. Ich darf Ihnen aber auch das eine versichern: Wenn ich dieses Jahr hier zum 17. Juni in, äh – [Zurufe: Helmstedt!] – Helmstedt spreche… Sie sehen daran, dass es nötig war, wenn ich hier dieses Jahr in Helmstedt spreche, dann ist es mein eigener Wunsch gewesen. [Beifall]

(Quelle)

Und heute ist da in den USA dieser Donald Trump.

Er ist anders als Lübke. Amerikanischer. Mehr im 21. Jahrhundert angesiedelt. Derber.

Pubertärer.

Während Deutschland das Land der Dichter und Denker ist, sind die USA das Land von Cowboy und Indianer, die nicht nett miteinander umgehen. Das Land von Baumwolle und Sklavenhaltung. Das Land, in dem es auf 100 Einwohner 112 Waffen gibt (auf Platz zwei liegt Serben mit 75 Waffen pro 100 Einwohnern) und in dem wenigstens einmal pro Woche ein Kleinkind mit einer geladenen Schusswaffe hantiert und sich oder jemand anders tötet.

Natürlich geht es da derber zu.

Aber dennoch ist man bescheiden. Bescheidener, als wir verstehen.

Viele Parallelen zum zerstreuten Professor Lübke lassen sich finden. So traf er unlängst den Präsidenten der U.S.  Virgin Islands, dachte er jedenfalls, denn die sind Teil der USA und somit ist er selber dort Präsident und die Person, die er traf, der Gouverneur.

Eine Limousine, die direkt vor der Gangway der Präsidentenmaschine steht, kann man natürlich auch mal übersehen.

Oder nach einer Rede völlig vergessen, wie der weitere Ablauf geplant war, und verloren auf der Bühne rumstehen.

Oder, wenn man den Medien die Unterzeichnung einer Executive Order angekündigt hat, exakt das Unterzeichnen des Dokuments vergessen.

Oder den Experten, den man begrüßen will, aus 80cm Entfernung nicht erkennen.

Oder nach einem Gespräch mit Benjamin Netanjahu einfach aufstehen und weggehen, wenn alle anderen Anwesenden das traditionelle Handshake-Foto machen wollen.

Die Liste witzig-peinlicher Videos ließe sich noch eine Weile fortsetzen.

Natürlich gibt es noch weitere Unterschiede zu Lübke. Der gravierendste: Der US-Präsident ist mächtigstes Exekutivorgan des Landes, unser Bundespräsident repräsentiert, hat also viel zu reden, aber nichts zu sagen.

Und hat keinen Koffer mit Atomabschusscodes.

Trotzdem habe ich die Hoffnung, dass Donald Trump die Welt nicht in einen Dritten Weltkrieg führen wird. Seine Abschusscodes starten schließlich nicht die Raketen, sondern legitimieren lediglich ihren Start, und der wird von Menschen ausgelöst, die schon vor Trump Dienst taten.

So bleibt die Hoffnung, dass Menschen wir Rex Tillerson auf den üblichen diplomatischen Kanälen mit Nordkorea einen Deal aushandeln kann und Kim Jong-Uns Gepoltere genauso im Vordergrund gesichtswahrend im Sande verläuft wie das von Donald Trump.

Und wir unseren Enkeln mal vom peinlichsten Präsidenten aller Zeiten erzählen können.

 

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