Designated Survivor (Spoileralarm)

Kiefer Sutherland ist ein echt passabler Schauspieler. Zwar sind einige aktuelle Rollen schon sehr als Kopie von Jack Bauer aus 24 angelegt und er rennt eigentlich nur hektisch durchs Bild, um die Welt zu retten, aber manche Rollen sind völlig anders. Ohne ihn in Actionszenen. Beispielsweise in Designated Survivor, wo er u.a. neben Natascha McElhone, Maggie Q und (Spoileralarm!) in Staffel 2 Michael J. Fox spielt.

Während der aktuelle Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika die Rede zur Lage der Nation hält, befinden sich alle Senats- und Regierungsmitglieder und die Mitglieder des Obersten Gerichtshofes im Capitol. Alle? Nein, die USA wären nicht die USA, wenn sie nicht einen Notfallplan hätten für den Fall, dass etwas passiert.

Ein Kabinetts- und ein Senatsmitglied müssen sich während der Rede in Bunkern als Notfallüberlebende (Designated Survivor) aufhalten.

Und dieses Mal ist es so weit und Bombenexplosionen erschüttern das Capitol und scheinbar alle sind tot. Bis halt auf Wohnungsbauminister Tom Kirkman, den der Präsident nach der Rede eigentlich feuern wollte, weil er sich nicht wie ein Politiker benimmt sondern wie ein Stadtplaner (was er auch an der Universität gelehrt hat). Und die Kongressabgeordnete Kimble Hookstraten (Virginia Madsen).

Und plötzlich ist der parteilose Minister und Politikanfänger, den die Agenten des Secret Service mit dem spöttischen Codenamen „Brille“ versehen haben, Präsident der USA. Und muss gleichzeitig die Funktionsfähigkeit des Senats durch Wahlen wiederherstellen, einen Vizepräsidenten und einen Obersten Gerichtshof ernennen, kurz, die Funktionsfähigkeit der Legislative und der Judikative wieder herstellen.

Und gleichzeitig quasi minütlichen Putschversuchen entgegen wirken und die Verschwörung aufklären, die zum Anschlag auf den Senat geführt hat. Dabei ist er so ehrlich und gerecht, dass der Secret Service als Codenamen für ihn „Phönix“ wählt.

Der Präsident als Held, das kennen wir von Ait Force One [Amazon-Partner-Link] mit Harrison Ford als Präsident, der seine eigene Maschine rettet, oder von Independance Day [Amazon-Partner-Link], wo Bill Pullman als Präsident (und Ex-Airforce-Pilot) selber einen Jet gegen die Aliens steuert.

Sutherland ist aber eher ein Held der Entscheidung, des Schreibtischs und der Verhandlungen. Anders als in Touch [Amazon-Partner-Link] rennt er nicht wie ein Jack Bauer Imitat  die Hälfte des Films durch die Gegend, schauspielerisch kommt er aber auch nicht an seine Darstellung des Dr. Schreber in Dark City heran [Amazon-Partner-Link].

Nun hat Sutherland als Tom Kirkman in den ersten zwei Folgen doppelt so viele staatstragende Moment bravourös gemeistert wie Donald Trump in seinem ersten halben Jahr, aber das ist ehrlich gesagt auch keine große Kunst. Dafür sind die Geschichten der Nebenrollen eine Gegenthese zur aktuellen US-Politik.

Aaron Shore (Adan Canto), der erste Stabschef Kirkmans hat sowohl die mexikanische als auch die US-amerikanische Staatsangehörigkeit, und arbeitet eng mit der Secret Service Agentin Hanna Wells (Maggie Q) zusammen, die asiatische Wurzeln hat.

Seth Wright, der vom Redenschreiber des toten Präsidenten zum Pressesprecher Kirkmans aufsteigt, ist Moslem und hat zum reduzieren rassistischer Erlebnisse seinen Namen geändert. Dennoch reflektiert er in der ersten Staffel immer wieder Situationen, in denen er von der Polizei kontrolliert wird, weil er eine etwas dunklere Haut und etwas schwärzere Haare hat, als der Durchschnitt.

Tatsächlich hat Kal Penn, der ihn spielt, seine familiären Wurzeln in Indien und ist Demokratischer Politiker.

All das tröstet über den immer perfekten Kirkman und den Dauerplot, dass er am Ende der Episode nach mehreren Fettnäpfchen, in die er aus Unerfahrenheit oder Ehrlichkeit tritt, eine improvisierte, ehrliche und mitfühltende Rede hält alles wieder gut ist.

In der zweiten Staffel wird Kirkman dann wegen seiner psychischen Verfassung und anderen Problemen mit einem Amtsenthebungsverfahren konfrontiert, in dessen Rahmen er mit dem Staranwalt Ethan West zu tun hat. West wird von Michael J. Fox gespielt, was ich grandios finde, da Fox wegen seiner Parkinson-Erkrankung  verständlicherweise kaum noch zu sehen ist. Als Ethan West sieht er mit dem Vollbart, dem wertvollen Gehstock und den Maßanzügen ungewohnt aus, ungewohnt erwachsen und reif. Und dass Rollen, die einen Menschen mit einem Handycap zeigen, am besten von SchauspielerInnen mit eben diesem Handycap gespielt werden, beweist sich wiedereinmal.

Leider wird Kirkman in der zweiten Staffel immer perfekter und am Ende unanatastbarer, was u.a. nach seiner  persönlichen Katastrophe, die als Cliffhanger in der Halbzeit der 1. Staffel dient, enttäuscht. Da haben sich die Storyliner offenbar vom Produktionsteam in eine Sackgasse manövrieren lassen, die zur Einstellung der Serie nach der 2. Staffel führte.

Trotzdem ist Designated Survivor [Amazon-Partner-Link] sehenswert und macht überwiegend Spaß. Beide Staffeln sind derzeit auf Netflix gratis zu sehen.

 

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