Die Woche 27/2018

Eine irrsinnige, aber offenbar erfolgreiche Strategie, eine falsche Strategie und ein Bisschen mehr.

CSU-Irrsinn: Seehofer macht sich zum Horst, indem er Merkel mit seinem Rücktritt droht (der lediglich in der Bitte um Entlassung bestehen kann) und zugleich behauptet, er ließe sich von Merkel, die erst durch ihn Kanzlerin wurde, nicht feuern.


Das Irrsinnigste daran ist aber, dass die „Haha, das kostet die CSU im Landtagswahlkampf Stimmen!“-Rufer daneben lagen. Die CSU und deren Landeskandidat Söder haben tatsächlich einen geringen Stimmenzuwachs durch Seehofers Dramolett. Mein Tipp: Gegen Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus Seehofer wirkt selbst eine Pappnase wie Söder auf einmal seriös und sachlich.

 

Strategische Unbelehrbarkeit: In einigen der diversen Kommunikationsschulungen, die ich in den letzten 30 Jahren mitgemacht habe, wurde uns eine große Weisheit beigebracht:

„Nie negieren. Wenn ich als Sprechchor ‚Kein Atomstrom!‘ skandiere, hört das Universum im Echo nur ‚Atomstrom‘. Also fordert man ‚Mehr Solarstrom!'“

Roger Lewentz von der SPD Rheinland-Pfalz und 'Bayern first'

Roger Lewentz von der SPD Rheinland-Pfalz und ‚Bayern first‘

Was macht die SPD in Rheinland-Pfalz? Richtig: Sie sorgt dafür, dass „Bayern first“ als Echo durchs Universum hallt. Elisabeth Wehling, die in Berkeley u.a. zur political language forscht, twitter passend dazu:

Also mehr positive Nachrichten, positive Parolen, statt dagegen zu sein.

Dafür brauchen wir Ideen (bitte eigene Ideen unten in die Kommentare einwerfen).

 

Firmendummheit: Stelt euch vor, Ihr kauft bei IKEA einen großen Kristallspiegel, den Ihr nach dem Bezahlen in der Warenausgabe erhalten sollt. Ihr schließt am Schalter den Kauf ab, bezahlt, fahrt zur Warenausgabe – und da ist der Spiegel nie angekommen.

Was würdet Ihr erwarten? Klar:

Sorry, liebe/r KundIn, da ist uns ein Fehler unterlaufen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Sie kriegen das Geld zurück oder wir besorgen den Spiegel und liefern ihn.“

Herr Dentaku berichtet, wie er ein iPhone bei der t-elekom bestellt hat und es im Flagshipstore abholen wollte. Dorthin wurde es per Paketdienst geliefert, es gibt wohl auch eine Unterschrift der Person, die es entgegen genommen hat, aber dann verliert sich die Spur.

Was erwartet Ihr von der t-elekom? Klar: Sorry, tut uns leid, wir ordern ein neues, falls Sie nicht vom Vertrag zurücktreten möchten.

Was macht die Telekom?

Anruf der Telekom: das geht jetzt erstmal an die Versicherung, die schickt mir irgendwelche Unterlagen zu und braucht dazu meine Postanschrift…

Ach ja, liebe t-elekom.

 

CDU: Diese Partei braucht dringend Juristen. Ganz dringend. Warum? Weil sie offenbar keine unter ihren Mitgliedern hat. Siehe diese zwei Tweets:


„Ja!“, möchte man ausrufen, „Schafft so ein Gesetz, das Flüchtlinge legal einreisen lässt!“

Und dann merkt man: Das gibt es längst.

Mehrfach

Zum Beispiel Artikel 15 der Qualifikationsrichtlinie. Zunächst ist man danach Flüchtling, wenn man in seinem Herkunftsland persönlich verfolgt wird. Bei politischer Verfolgung (ist meistens deckungsgleich) hat man auch Asylanspruch. Bekommt man kein Asyl und ist vor einem (Bürger-)Krieg geflüchtet, dann gibt es „nur“ den subsidiären Schutz:

Letzterer steht insbesondere Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlingen zu, die keine individuelle Verfolgung geltend machen können.

Dieser Schutz steht also den Personen, die vor Kriegen flüchten zu. Wenn ihnen Schutz zusteht, dann ist die Einreise zwar im ersten Moment „illegal“, durch ihren Status als Kriegsflüchtling wird das aber geheilt.

Hey, CDU! Kurze Info: Die legalen Einreisemöglichkeiten sind vorhanden, lasst die Leute also auf normalen Wegen rein, damit sie nicht im Mittelmeer ertrinken. Gerne geschehen.

 

Oops, he did it again: Seehofer schreibt völlig unabgestimmte Briefe wegen des Brexit.

Doch offensichtlich fand der CSU-Innenminister noch Zeit, nebenbei eine zweite Front gegen CDU-Kanzlerin Angela Merkel zu eröffnen: Er schrieb einen geharnischten Brief an die EU-Kommission, in dem es nicht etwa um Flüchtlings- und Migrationspolitik, sondern um den EU-Austritt Großbritanniens ging.

Ganz offensichtlich will er die Union brennen sehen.

 

Und Ihr so?

 

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