Dass BusinessVZ XING ein Ärgernis ist und nicht besser wird hab ich ja schon an verschiedenen Stellen angemerkt. Nun kommt seit ungefähr 2019 eine neue Art von SPAM dazu.

[Zum Update geht es hier entlang]

Es sind Stellenangebote von jungen Frauen, meist gerade mit dem Studium fertig und Mitte 20, mit wohlklingenden Namen wie Xenia, Annabella und Fabienne, und einem ansprechenden Profilbild.

Neuer Besucher um 12:02 – Stellenangebot um 12:26.

Nun ist es zunächst nicht verwerflich, auf einer Plattform wie XING Jobangebote zu machen. Dass Firmen ihren Nachwuchsmitarbeiterinnen (nicht gegendert, aus Gründen) die Chance geben, sich dabei zu profilieren, ist auch toll.

Dass ich nunmal einer dieser alten weißen Männer sind, die möglicherweise von einer Kontaktanfrage mit dem Betreff „Warum eigntlich nicht“ geschmeichelt sind und nur deshalb reagieren, ist vermutlich auch nur ein Zufall. Ich kann jedenfalls mangels weiterer Daten nicht behaupten, dass die jungen Frauen gezielt auf alte Männer „angesetzt“ werden.

Was aber problematisch ist: Ich will keine Stellenangebote.

Keine.

Nein, auch dieses nicht.

Und das mache ich auf meinem Profil an mehr als einer Stelle deutlich.

Insbesondere der Eintrag bei „Ich suche“ sollte eindeutig sein.

Wobei ich beim Melden entsprechender Anfrage über die XING-Funktionen eine Standardmail bekomme, in der mir erklärt wird, wie ich die Absender blockiere (hilft nix, die schreiben kein zweites Mal) und wie ich die Stelle, die ich suche, besser beschreiben kann (besser als „Aktuell kein Interesse an Angeboten“ geht es kaum).

Was ist nun mein Problem an diesen Mails? Ganz einfach: Ich nutze XING einmal als Geburtstagsliste meiner eigenen Koleg:innen. Nicht alle sind auf Facebook und die interne Geburtstagsliste fiel dem Umstieg von Notes auf Exchange und Datenschutzbedenken zum Opfer.

Außerdem habe ich einige frühere Kolleg:innen und sonstige Bekannte und Freunde unter meinen Kontakten, mit denen ich aus Gründen nur über XING den Kontakt halten kann. Jedes Mal, wenn ich XING öffne, kann ich deren Mails erstmal zwischen denen mit Jobangeboten herauspicken. Das ist ein Ärgernis.

Also frage ich die allermeistens Damen höflich, aber kurz angebunden:

„Aber mein Profil haben Sie schon gelesen?“

Die meisten antworten nicht.

Einige entschuldigen sich.

Andere werden schnippisch.

Wieder andere schreiben dann ganz offen:

„Ich habe Ihr Profil gelesen und mich speziell deshalb entschieden, Ihre Bitte von Headhuntern nicht kontaktiert zu werden zu ignorieren, weil ich eben sehe, wie gut Sie auf meine Stelle passen würden. Glauben Sie mir, ich weiß, dass Sie Vorbehalte haben, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“

Ich könnte jetzt referieren, warum ich eben nicht auf das Angebot eingehen würde – unter anderem ist mit einem Schäufelchen Berufs- und Lebenserfahrung aus dem Profil erkennbar, dass ich ein 55jähriger Beamter bin, der zwar eine gewisse IT-Qualifikation besitzt, aber für eine Stelle in der freien Wirtschaft eben vorzeitig aus dem Beamtenverhältnis ausscheiden müsste, was meine Pension so weit reduziert, dass kein Arbeitgeber mir ausreichend Geld zahlen würde, um den Verlust über die Rentenkasse auszugleichen.

Hartes Argument? Ich denke ja. Und genau deshalb will ich eben keine Angebote haben, weil sie nur nerven wie die ständigen Postkarten von Immobilienmaklern im Briefkasten.

Ich hab mich nun bei XING über diese junge Dame ausdrücklich beschwert. Sie räumt ja gerade ein – anders als ihre Vorgängerinnen – dass sie sich bewusst über meinen Wunsch hinweggesetzt hat.

XING antwortete:

Gerne werden wir den Sachverhalt im Anschluss überprüfen und bei Bedarf weiterführende Schritte einleiten. Dies kann bedeuten, dass wir das Mitglied zunächst im Auge behalten, einen Verwarnungsprozess einleiten oder sogar einen Ausschluss von der Plattform vornehmen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihnen aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Mitteilung über den Ausgang Ihrer Meldung geben können.

Klingt gut, oder? Also rief ich beim Arbeitgeber der Dame an. Unter der Rufnummer auf der Website – es ist ein internationales Beratungs- und Recruitment-Unternehmen mit wohlklingendem Namen – erreichte ich einen Recruiter. Ich erklärte mein Problem mit seiner Kollegin. Antwort:

Ich sage Ihnen, dass es für uns üblich ist, wenn jemand von einer bestimmten Person keine Nachrichten bekommen will, dass er auch keine bekommt. Allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass es Jobangebote gibt, die so gut passen, dass von den XING-Mitgliedern, die keine Angebote haben wollen, 90-95% hinterher doch Interesse an dem Angebot haben.

Wieder das Problem: Ich werde definitiv nicht prophylaktisch alle Recruiter:innen auf XING suchen und blockieren, ich werde auch aufs Geratewohl niemanden anschreiben, dass ich von einer bestimmten Person keine Mails will, weil ich von ihr eventuell ein Jobangebot kriegen könnte. Leute! Was soll der Blödsinn?

Wie ich die Auskunft vom XING-Kundendienst verstehe, ist der Wunsch, keine Jobangebote zu erhalten, eine harte Grenze, die zu überschreiten nicht geduldet wird.

Der Herr am Telefon schob die Verantwortung jedoch auf XING: Es sei ja ein Leichtes, das System so zu erweitern, dass ich mit einem simplen Haken alle Mails von Recruitern ablehnen kann.

Unverschämt?

Ja.

Sich über meinen Wunsch, keine Stellenangebote haben zu wollen, hinwegzusetzen, ist ein Verstoß gegen das Hausrecht von XING.

Das möchte ich gerne mit der Recruiting-Firma klären. Eine Mail an die info@-Adresse, wie der Herr am Telefon mir die einzige Kontaktmöglichkeit beschrieb, halte ich für zwecklos.

Daher habe ich vorhin dem Associate Director der Firma mal eine Kontaktanfrage geschickt.

[Update 2.3.2021]

Der Associate Director hat meine Freundschaftsanfrage angenommen. Ich schrieb ihn – höflich – an.

Nach kurzer Erläuterung des Vorfalls und meiner Irritation, dass es sich bei der Recruiterin auf XING und meinem Gesprächspartner am Telefon um einen Principal Consultant bzw. Senior Consultant handelte und nicht um übermotivierte Neulinge mit pfiffigen Ideen, schrieb ich:

Daher habe ich die Frage an Sie, ob das wirklich eine legitime Methode Ihres Unternehmens ist oder lediglich ein Fehlgriff motivierter Mitarbeiter:innen.

Die Antwort spricht für sich:

Ich kann Ihre Frustration verstehen. Sie haben in Ihrem Profil klar hinterlegt, dass Sie nicht an Jobangeboten interessiert sind und wir haben das ingoriert. Ihrem Profil habe ich deshalb eine nur für uns sichtbare Notz (sic!) hinzugefügt, dass Sie unter keinen Umständen kontaktiert werden wollen.

Oder, in weniger diplomatischen Worten:

Ja, das Ignorieren Ihres Wunsches wird im Allgemeinen toleriert. Andernfalls hätte er nicht mit so viel Text um ein „Nein, das ist nicht unsere Methode“ oder „Das hätte nicht passieren dürfen“ herum eiern müssen.

Mal gucken, wie XING damit umgeht. Ich kann nur an alle ebenfalls Genervten appellieren: Meldet solche Kontaktanfragen und hakt bei XING nach. Und merkt Euch die Firmen, die das machen, falls Ihr mal selber Personal sucht.

Dann wisst Ihr, welche Recruiter sich über klare Wünsche der Angeworbenen und Policies der Plattformen hinweg setzen und daher nicht in Frage kommen.

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Kategorien: Meinung

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