In den ersten beiden Posts habe ich Laschets Angewohnheit zum Tarnen und Täuschen aufgeführt und seine Rechtsoffenheit. Heute soll es um seinen offiziellen Lebenslauf gehen.

Natürlich schreibt man in den Lebenslauf nur das, was man darin sehen möchte. Wenn man genau hinschaut, verrät er aber auch zwischen den Zeilen viel. Besonders das, was nicht darin steht, kann Bände sprechen.

Armin Laschet wurden 1961 geboren und nach dem Abitur studierte er in Bonn und München Jura. 1987 legte er das erste Staatsexamen ab.

Jurist ist er also, aber kein sogenannter Volljurist. Dazu müsste er auch das zweite Staatsexamen ablegen. Das hätte ihn normalerweise zwei weitere Jahre gekostet, in denen er als Referendar praktisch arbeiten muss. In den Klausuren, die er in dieser Zeit hätte schreiben müssen, wird sehr viel Formelles geprüft. Es geht nicht nur um die juristischen Inhalte, es geht auch darum, ob zum Beispiel das Rubrum eines Urteils formell richtig ist.

Erst nach Ablegen des 2. Staatsexamens wäre Laschet Volljurist gewesen und hätte „die Befähigung zum Richteramt“ gehabt oder als (Staats)Anwalt arbeiten können.

Hat er nicht gemacht, obwohl das der übliche Weg wäre, zumal er ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung hatte.

Wie auch Annalena Baerbock, die von der Böll-Stiftung ein Stipendium erhalten hat, um nach Erwerb ihres Master in „Public International Law“ (LL.M.) noch eine Dissertation zu schreiben. Dann ließ sie die Dissertation zunächst wegen ihrer politischen Arbeit ruhen und brach sie später ab. Das alles ist öffentlich nachlesbar und findet sich sogar auf Wikipedia.

Und es führte zu herbei gezerrten, konstruierten Vorwürfen, da man ein Stipendium bei Abbruch des Geförderten, je nach den Bedingungen, die daran geknüpft sind, möglicherweise zurückzahlen muss.

Annalena Baerbock lasst das nun prüfen, bei Armin Laschet redet keiner darüber, dass er ein Stipendium hatte, aber den letzten Schritt im geförderten Studium dann nicht machte.

Der Zeitraum 1987-1994 wird in einem Block zusammengefast. Ich drösele die einzelnen Tätigkeiten hier mal auf:

  • Ausbildung zum Journalisten
  • Tätigkeit als freier Journalist für bayerische Rundfunksender und das bayerische Fernsehen.
  • Wissenschaftlicher Berater der Präsidentin des Deutschen Bundestages

Das sind nun sehr viele verschiedene Tätigkeiten Was bedeuten sie?

Ausbildung zum Journalisten.

Es gibt heute und gab damals keine offizielle Ausbildungsordnung. Eine „Ausbildung zum Journalisten“ kann jede:r anbieten. Das liegt unter anderem daran, dass die Pressefreiheit ein Grundrecht ist und damit jede:m den Zugang zum Beruf der Journalist:in offen stehen muss.

Lediglich die Journalistenverbände haben für die Ausbildung in Medienhäusern Vereinbarungen getroffen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe Journalistenschulen in Deutschland, an denen man teilweise die komplette Ausbildung machen kann incl. der Vermittlung von Praktiumsplätzen oder in die Volontäre auf Kurse geschickt werden.

Volontariat ist die Bezeichnung für die Ausbildung in einem Medienhaus. Ein „Volo“ dauert in der Regel 24 Monate. In der Zeit arbeitet man schon produktiv journalistisch, ist aber beim Medienhaus de facto angestellt, wenngleich die Bezahlung eher an ein Praktikum erinnert.

Wenn Laschet ein Volontariat gemacht hat, dann ist seine Tätigkeit als freier Journalist offensichtlich unabhängig davon ausgeübt worden. Er war also kein „Volo“ beim Bayerischen Fernsehen oder den an dieser Stelle nicht genannten Rundfunkhäusern.

Tatsächlich – wieder bei der Konrad-Adenauer-Stiftung dokumentiert…

…nutzte er seine Münchener Kontakte und machte beim privaten Hörfunksender Radio Charivari ein Volontariat, das eher einem Trainee-Programm entsprach.

Die „journalistische Ausbildung“ war ein Trainee-Programm beim Münchener Gute-Laune-Sender. Ein Trainee ist nun in der Regel direkt ein Anwärter auf Führungspositionen, der ein für die Position passendes Fachstudium hinter sich hat. Praktische Arbeit an der „Basis“, was im Volontariat vermittelt wird (Recherche, Interview, journalistisches Schreiben) wird da nicht der Schwerpunkt gewesen sein. Kann man, meinetwegen, aber auch irgendwie als „Journalistische Ausbildung“ bezeichnen.

Mit „Bayerisches Fernsehen“ ist der Bayerische Rundfunk gemeint, wie man in seinem Portrait bei der Konrad-Adenauer-Stiftung nachlesen kann.

Im selben Zeitraum war er „wissenschaftlicher Berater der Präsidentin des Deutschen Bundestages„. Und das ist, mal wieder, nur die halbe Wahrheit.

Die Präsidentin des Deutschen Bundestages, um die es hier geht, war Rita Süßmuth. Zuvor war Laschet jedoch auch Mitarbeiter bei ihrem Vorgänger:

Neben seiner journalistischen Tätigkeit war er mit einer halben Stelle als Redenschreiber im Büro des Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger beschäftigt. Nachdem dieser im November 1988 wegen seiner missverstandenen Rede zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938 zurückgetreten war, übernahm seine Nachfolgerin Rita Süssmuth Laschet in ihren Stab.

Portrait von Armin Laschet bei der Kondad-Adenauer-Stiftung

Warum wird Philipp Jenninger von Laschet unterschlagen?

Nun, das liegt auf der Hand.

Ich erinnere mich noch an mein Studium, als ein Dozent nach der katastrophalen Rede und Jenningers Rücktritt mit uns über deren Aussagekraft diskutierte.

In der Rede wurden Begrifflichkeiten der Nationalsozialisten benutzt. Beispielsweise im Satz

Dafür sorgten schon die untätig herumstehenden Polizisten und Feuerwehrleute, die die Synagogen niederbrennen ließen und nur eingriffen, wenn „arisches“ Eigentum in Gefahr geriet.

Das ist so, schriftlich, in deutlich sichtbaren Anführungszeichen, ok. Man sieht, dass der Autor der Zeilen sich den Begriff „arisch“ nicht zu eigen macht.

Allerdings war das eine Rede und während unser Dozent damals meinte, Jenninger habe es versäumt, hier die Anführungszeichen durch die Sprachmelodie erkennbar zu machen, ist meine Auffassung heute, dass diese Rede so nie hätte gehalten werden dürfen. Sie so zu schreiben war grob fahrlässig.

Auch andere Sätze sind grenzwertig.

Laschet hat in der Rede beispielsweise versucht, die Sichtweise der nichtjüdischen Bevölkerung unter dem Einfluss der Nationalsozialisten verständlich zu machen. Das ist ausgesprochen dünnes Eis, sowas kann man am Stammtisch oder beim Geburtstag der Großtante machen, aber nicht im Deutschen Bundestag:

Da stellte sich für sehr viele Deutsche nicht einmal mehr die Frage, welches System vorzuziehen sei. Man genoß vielleicht in einzelnen Lebensbereichen weniger individuelle Freiheiten; aber es ging einem persönlich doch besser als zuvor, und das Reich war doch unbezweifelbar wieder groß, ja, größer und mächtiger als je zuvor. – Hatten nicht eben erst die Führer Großbritanniens, Frankreichs und Italiens Hitler in München ihre Aufwartung gemacht und ihm zu einem weiteren dieser nicht für möglich gehaltenen Erfolge verholfen?

Und was die Juden anging: Hatten sie sich nicht in der Vergangenheit doch eine Rolle angemaßt – so hieß es damals – , die ihnen nicht zukam? Mußten sie nicht endlich einmal Einschränkungen in Kauf nehmen? Hatten sie es nicht vielleicht sogar verdient, in ihre Schranken gewiesen zu werden?

Wenn die Nazi-Begrifflichkeiten wie „arisch“ oder später „Rassenschande“ in Anführungszeichen eindeutig als wörtliche Zitate erkennbar gemacht werden können, ist dieser Versuch, die Täter auf diese Weise zu exculpieren absolut untauglich. Denn eben die Bürger:innen, die hier exculpiert werden sollen, waren Täter:

An den Aktionen beteiligten sich auch Angehörige der Hitlerjugend und weiterer NS-Organisationen. Der Mob nutzte die Chance zur Plünderung. Die Deutschen wurden Zeuge, wie die Menschenrechte und die Menschenwürde im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten wurden. Unter den Gaffern wurde gejubelt und gejohlt, andere haben schweigend oder gleichgültig hingenommen, was geschah. Die Juden wurden in dieser Nacht nahezu allein gelassen.

Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg

Hatte Laschet nun Anteil am Entwurf der Rede? Klar dokumentiert ist das nicht, aber Laschet und sein Schwiegervater publizierten ein 150seitiges Buch „Philipp Jenninger – Rede und Reaktion“, in dem sie lamentierten, dass die Rede nur missverstanden worden sei. Die Ruhrbarone schrieben schon 2010:

Das Buch wirft Fragen über den jungen politischen Menschen Armin Laschet auf. Er hat auf knapp 150 Seiten eine fragwürdige Reinwaschung einer skandalösen Rede veröffentlicht. Vielleicht schämt sich Laschet heute für dieses Werk und es ist eine Jugendsünde.

Annika Joeres, Ruhrbarone vom 5.7.2010

Noch Fragen, warum Laschet die Tätigkeit für Herrn Jenniger unterschlägt?

Kommen wir zum nächsten Block. 1994-1998 war Laschet Mitglied des Deutschen Bundestages. Tatsächlich wurde Laschet als Direktkandidat in den Bundestag gewählt. Direktkandidaten sind die, die auf dem Stimmzettel bei der Erststimme stehen. Sie werden vom Orts- oder Kreisverband der jeweiligen Partei demokratisch als Kandidaten gewählt und müssten bei der Bundestagswahl dann die Mehrheit der Erststimmen in ihrem Stimmbezirk bekommen.

Der Kandidat für Aachen zwischen 1976 und 1990 war Hans Stercken, der jedes Mal das Direktmandat gewann. Bei Laschet hingegen war schon nach der ersten Legislaturperiode Schluss und eine Kandidatin der SPD gewann.

Während es normalerweise positiv vermerkt wird, nicht nur als Listen-, sondern als Direktkandidat in ein Parlament eingezogen zu sein, wird es hier verschwiegen.

Soll der Eindruck vermieden werden, Laschet hätte das Direktmandat nur erhalten, weil er als Nachfolger von Stercken einen Vertrauensvorschuss der Wähler:innen hatte, der bei der nächsten Wahl verbraucht war?

Machen wir im Lebenslauf weiter. Da steht:

1995 – 1999 Verlagsleiter und Geschäftsführer der Einhard-Verlags GmbH

Der Einhard-Verlag gehört dem Bistum Aachen und Geschäftsführer ist der Schwiegervater von Laschet. Genau wie beim Trainee-Programm beim Gute-Laune-Sender in München hat er hier über Beziehungen einen Arbeitsplatz erhalten.

Was im restlichen Lebenslauf nicht mehr erscheint: Beispielsweise sein Lehrauftrag an der RWTH Aachen. Bei dem er Klausuren verbummelt und die Noten dann ausgewürfelt hat.

Normalerweise würde so ein Lehrauftrag im Lebenslauf stehen, außer, er endet mit einem peinlichen und überflüssigen Skandälchen. Dann verschweig man es lieber.

Was auch fehlt, bei der Konrad-Adenauer-Stiftung aber prominent erwähnt wird (weil es wirklich eine wichtige Station ist), ist seine Arbeit bei der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, deren Chefredakteur er wohl ab 1991 war. Wenn man die „Ausbildung zum Journalisten“ schon erwähnt, warum unterschlägt man die Tätigkeit als Chefredakteur?

Kommen wir zu den „Mitgliedschaften“. Damit sind normalerweise Vereine und Organisationen gemeint, in die man aufgenommen wird oder denen man beitreten kann.

„Mitglied der CDU seit 1979“ ist so etwas.

Interessant ist da der Eintrag

– 1989 bis 2004 Ratsherr der Stadt Aachen

Die Tätigkeit als Ratsmitglied oder Stadtverordneter (wie das heute eher genannt wird) bei Vereinen und anderen Mitgliedschaften einzureihen ist interessant. Denn es ist ein ehrenamtlicher Dienst für die Stadt, in deren Rat man sitzt.

Diese „Mitgliedschaft“ ist mit Arbeit verbunden. Sitzungen müssen vorbereitet werden, indem man die Beschlussvorlagen liest und mit den anderen Mitgliedern der eigenen Fraktion eine Meinung dazu bildet, Änderungsvorschläge diskutiert etc. Um die Arbeit in den Ratssitzungen vorzubereiten, bildet der Rat zudem Ausschüsse, in denen mit reduzierter Zahl der Ratsmitglieder verbindliche Beschlüsse gefasst oder dem Rat eine Entscheidungsempfehlung ausgesprochen wird. In den Ausschüssen sitzen Ratsmitglieder und die Anzahl der Ausschusssitzungen pro Person übersteigt die der Ratssitzung.

All das hat den Umfang eines „Nebenjobs“. Diese sehr lange Arbeit im Rat der Stadt Aachen bei den „Mitgliedschaften“ anzugeben halte ich, als Ratsmitglied und Ausschussvorsitzender in einer deutlich kleineren Stadt, für bemerkenswert, wenn nicht gar merkwürdig.

Schließlich ist es eine Leistung, von 1989 – 2004 im Rat einer Stadt in Nordrhein-Westfalen zu sein und gleichzeitig im Bundestag bzw. später im Europäischen Parlament zu sitzen. Also, wenn man die Ratstätigkeit ernst nimmt jedenfalls.

Auch bei den Mitgliedschaften fehlen Einträge, die interessant sind.

So war ghörte Laschet von 2008 bis 2016 dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken an. Gerade für eine christliche Partei ist das natürlich ein Pluspunkt, auch, wenn Laschets mögliche Nähe zu Opus Dei immer wieder diskutiert wurde. Oder will er seien Kirchennähe hier – genau wie bei der nicht erwähnten Tätigkeit als Chefredakteur – leugnen?

Andere Mitgliedschaften, die fehlen:

Da es sich in beiden Fällen um ausdrücklich „Katholische Deutsche Studentenverbindungen“ handelt und man derartigen Verbindungen meist beitritt, weil man sich später berufliche Chancen durch Seilschaften Verbindungskontakte erhofft, spricht das Auslassen dieser Mitgliedschaften für sich.

Tatsächlich waren die „Münchener Kontakte“, die ihm die „Journalistische Ausbildung“ vermittelt haben, eben andere Mitglieder der Aenania München.

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Christian
4 Monate her

Aachen ist „nur“ Bistum ohne Erz..
Gruß

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