Die Woche 23/2018: Breitbandausbaustau

Wochenrückblick mit der einspurigen Datenautobahn, DevOps mehr.

Das Internet. In Deutschland. Diese Dauerbaustelle. Sascha Lobo lässt sich ja dazu in seiner SpOn-Kolumne immer wieder aus. Diese Woche schrieb er, dass das Internet so lahm sei, weil die Telekom auf Kupferkabel baut und durch das runde 1/3 Aktienanteile beim Bund super Lobbyarbeit machen könne.

Warum die Telekom auf Kupferkabel baut ist klar: Neue Infrastruktur im Telekom-Bereich kostet Geld. Die bestehenden Kupferkabel sind alt bis uralt und liegen nicht in Rohren, sondern einfach so in der Erde. Sie durch Glasfaser zu ersetzen kostet ordentlich Geld, weil Tiefbauarbeiten bis zur Wand des Wohnhauses hin erforderlich sind.

Geld, das man nicht investieren will, wenn man es vermeiden kann. So rückt das Ende der Glasfaserleitung bei Telekom-Kunden zwar immer näher an das Haus, aber ab dem letzten Verteilerkasten (der dann DSLAM heißt) bleibt bis auf weiteres Kupfer das Medium. Was in Ballungsgebieten 50-100MBit liefern kann, bei längeren Kupferstrecken wie auf dem Land aber oftmals im Außenbereich zu Bandbreiten von 2 MBit und darunter führt.

Die Telekom könnte natürlich Geld in die Hand nehmen und sagen: Die ganze DSLAMs vor Ort sind Mist, machen wir mal Nägel mit Köpfen und investieren in die Zukunft, bevor es jemand anders tut.

Erlöse der Frequenzversteigerung 2010

Erlöse der Frequenzversteigerung 2010

Bloß: Wer sollte dieser „jemand anders“ sein? Neulich erinnerte Sascha in seinem Debattenpodcast (ich bin sicher, es dort gehört zu haben), dass die Frequenzversteigerung 2010 zu einem solchen Bieterwettstreit führte, dass die mobiles Internet bei uns aus betriebswirtschaflichen Gründen quasi mit Gold aufgewogen werden muss, um rentabel zu arbeiten.

Jeder der drei Anbieter, die Frequenzen ersteigert haben (O2, Vodafone und die Telekom), musste mehr als eine Milliarde Euro berappen.

Das ist kein Pappenstiel und dieses Geld (bzw. dieses Kreditvolumen) fehlt nun sowohl der Telekom als auch ihren Mitbewerbern unter anderem für den Ausbau des Festnetzes mit Technik des 21. Jahrhunderts. Auch, wenn am Ende die Kunden natürlich alles zahlen, muss der Unternehmer für den Ausbau in Vorleistung treten. Kaum einE TeilnehmerIn wird schließlich in der Lage sein, die Baukosten für den Anschluss selber in einer Summe aufzubringen.

Das kann sich nun aber langsam ändern.

Einmal ist da die Deutsche Glasfaser, die insbesondere im ländlichen Raum oft der einzige Anbieter ist, der flächendeckend  nicht nur mehr als 16 MBit liefern will und dafür bei ausreichend Abnahme investiert, sondern auch zeitgemäße Technik in Form von  FTTH nutzt. Und da ist dann der Konkurrent Vodafone, der gerade mit dem Ankauf von Unitymedia bundesweit Internet über die TV-Kabelnetze anbieten kann (da sind heute schon ohne technische Klimmzüge 500MBit möglich).

Warten wir ab.

DevOps. Gartner sagt: Das funktioniert nicht. Und wie so oft scheinen die meisten Firmen mal wieder zu versuchen, so lange Technik oder Buzzwords auf ihre Probleme zu werfen, bis es neue Technik und neue Buzzwords gibt, die man drauf werfen kann. Denn DevOps, also die Vermischung der Zuständigkeiten und Rechten von Developer und Operator/Admin, bedeutet, eine neue Unternehmens- und Arbeitskultur einzuführen. Für sowas braucht man ein Change Management, das den Prozess begleitet, und tatsächlich gibt es etliche Berater, die man mit Geld dazu zwingen kann, genau das zu tun.

Man muss es nur auch tun.

Aber das kennen wir ja zur Genüge: Will man die Kommunikation in der Firma verbessern, reicht es auch nicht, Slack zu installieren. Es muss auch eingeführt werden, insbesondere müssen die AnwenderInnen in Slack eingeführt werden.

Verschwörungstheorien. Die sind ja eines meiner Lieblingsthemen und grenzen oft an Comedy. Jetzt fressen sie sich gerade selber auf.

gab.ai, das twitterähnliche Dings, auf dem sich die amerikanischen Alt Rights und etliche rechte Apologeten aus Deutschland tummeln, wird (bitte festhalten) von einer jüdischen Verschwörung kontrolliert, um … ja warum eigentlich? Lasst mich mal überlegen.

Damit die Netznazis in ihrer Filterblase gefangen sind und keine Einflüsse von draußen mehr bekommen, gleichzeitig aber draußen kaum noch wahrzunehmen sind?

Eigentlich gar keine schlechte Idee.

 

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