Der #twexodus, den Elon Musk ausgelöst hat, führt zu ungeahnten Zuwächsen bei Mastodon.

Mastodon ist nicht Twitter. Mastodon kann aber wie Twitter sein, nur besser.

Als ich so 2009 meinen aktuellen Twitteraccount angelegt hatte, gab es noch die ungefilterte Timeline. Man konnte einfach so sehen, was auf Twitter lief, ohne einen Account zu haben. Man sah einfach alle Tweets.

Das ging damals noch und ich hab eine ganze Reihe meiner Followings dort gefunden. Heute ist das utopisch, es gibt so viele Tweets pro Sekunde, dass diese Timeline unbenutzbar geworden ist.

Das, was man als angemeldeter User gesehen hat, waren die Tweets der eigenen Followings in chronologischer Reihenfolge. Es gab ursprünglich nur das Faven über den Stern als Interaktion und die Antwort. Ein „Retweet“ wurde durch ein Kopieren des Texts in einen neuen Tweet unter Voranstellen von „RT: <Username> “ gemacht.

Der Retweet per Button kam erst später dazu und, obwohl viele der damaligen Nutzer:innen skeptisch waren, war das sogar eine gute Idee.

Inzwischen hat sich auch Twitter weiterentwickelt. Für die Werbekunden braucht es eine längere Verweildauer, um mehr Impressionen der Werbung und damit mehr Werbeeinnahmen zu generieren. Das führte zur Timeline, die von einem Algorithmus kuratiert wird. Es werden nicht alle Tweets chronologisch angezeigt, sondern mitten in die aktuellen Tweets wurden anfangs besonders oft gefavte oder retweetete ältere Tweets mit eingespielt.

Das war aber nur der Anfang.

Aktuell ist es auch ohne Elon Musk so weit, dass Twitter für mich ausgesprochen unangenehm wird. Ich folge vielen Journalist:innen und Politiker:innen, die auch (aus Gründen) beispielsweise namhaften AfD-Politiker:innen folgen. Wenn einer dieser Faschos nun in seiner Bubble viel Zuspruch bekommt (durch viele Fav-Herzen), wird der Tweet mir angezeigt mit dem Hinweis, dass etliche Leute aus meinen Followings dieser Person folgen.

Ich müsste also, um keinen Fascho-Content in meinen Ereignishorizont gespült zu bekommen, erstmal alle AfD-Politiker:innen und ihre Trolle blockieren oder stumm schalten – sorry, warum? Ich folge denen nicht, warum wird mir deren Müll überhaupt in die Timeline gespült?!? Das gleiche gilt für ehemalige BILD-Chefs, die von Rechtsaußen immer wieder viele Herzchen für ihren Müll bekommen, aber halt auch viele Followings mit mir gemeinsam haben und daher mehrmals am Tag in meiner Timeline auftauchen, obwohl niemand aus meinen Followings sie je retweetet hat.

Mastodon ist nun sehr wie Twitter früher war.

Aber anders. Und auch weiter als Twitter heute ist.

Das Fediverse

Fediverse ist ein Kofferwort aus federation und universe. Es besteht aus einem Netzwerk von Microbloggingdiensten, Datensammlungen, sozialen Netzwerken und mehr. Diese können alle untereinander kommunizieren und Inhalte austauschen und verbreiten. Sie sind also föderiert.

Mastodon ist eine der Anwendungen, die das Fediverse nutzen.

Zunächst ist Mastodon ein lokaler Microblogging-Dienst, wie einst Twitter. Auf einem Mastodon-Server (auch Instanz genannt) kann man ein Konto erhalten (nach den Spielregeln des oder der Betreiber:innen), kann dort eine lokale Timeline aller User:innen lesen, kann anderen User:innen folgen und umgekehrt können diese einem auch folgen (sofern man das freigegeben hat) und alle Tweets lesen (sofern die öffentlich sind).

Der Account

Während man auf Twitter nur einen öffentlichen (also für alle lesbaren) oder privaten (nur für die tatsächlichen Follower:innen lesbaren) Account haben kann, ist das bei Mastodon viel feiner steuerbar.

Bei Mastodon kann ich mich in den Accounteinstellungen als geschützes Profil definieren – wer mir folgen will, stellt beim Klick auf den Button quasi einen Antrag bei mir, dem ich erst stattgeben muss (oberste Checkbox). Wie bei Twitter.

Ich kann die Follower:innen und Followings geheim halten (unterste Checkbox) oder dafür sorgen, dass mein Profil in der Liste der Profile auf dieser Instanz nicht angezeigt wird.

Hierbei geht es nur darum, wie ich Follower:innen bekomme. Meine Toots (wie die Postings auf Mastodon heißen) sind per se erstmal alle öffentlich, außer, ich ändere das. Was für jeden Toot geändert werden kann.

Der Toot

Ein Toot ist das, was auf Twitter der Tweet ist: Ein Posting. Im Eingabefeld für den Toot gibt es mehrere Optionen: Eine Büroklammer zum Beifügen von Anlagen (Bildern zum Beispiel), den drei Balken, mit denen man ein Voting in den Toot einbauen kann (wie bei Twitter), einer Erdkugel, mit der man die Sichtbarkeit des Toots einstellen kann (dazu gleich mehr), der Möglichkeit, eine Content-Warnung anzubringen (der Toot wird dann erst nach Klick auf die Warnung sichtbar gemacht) und der Auswahl einer Sprache, was für Leute hilfreich ist, die nur Toots in einer bestimmten Sprache lesen wollen.

Die Sichtbarkeit des Toots ist per Default „öffentlich“, also wie bei Twitter bei einem nicht privaten Account. Alle können ihn sehen. Auch, wenn er nur eine Antwort in einer Konversation ist.

„Nicht gelistet“ bedeutet, dass der Toot noch immer öffentlich ist, aber meinen Followern nicht in der Timeline vorgelegt wird. Klingt absurd, aber bei Konversationen mit vielen Teilnehmenden ist das toll. Man sieht nicht dauernd die Antworten oder Rückfragen der Leute, denen man zufällig folgt, in seiner Timeline, die ohne den Kontext und in zufälliger Reihenfolge komplett unverständlich sind, aber wenn man auf die Konversation klickt, sieht man auch die nicht gelisteten Antworten.

Man kann jetzt also lange Diskussionen führen, ohne, dass die eigenen Follower:innen immer diese nervigen Fetzen davon in ihrer Timeline sehen und irgendwelche Besserwisser (wie ich zum Beispiel) mitten in der Diskussion einsteigen, ohne zu wissen, worum es geht.

Die Einstellung „Nur Follower“ ist so, wie auf Twitter bei einem „Schlossaccount“ – nur die aktuellen Follower:innen können das lesen.

Hinter „Nur erwähnte Profile“ verbirgt sich die Direct Message von Mastodon.

Leider wird die Einstellung nicht dauerhaft gespeichert, aber anders als bei Twitter kann man bei Mastodon auf Github in Kontakt mit dem Team treten und solche Features vorschlagen, wenn man sie nützlich findet.

Die Instanz

Verwirrend für viele ist nun die Sache mit den Instanzen. Im Fediverse reden etliche Mastodon-Server 24/7 miteinander. Ich kann nicht nur den Leuten folgen, die auf derselben Instanz wie ich einen Account haben, ich kann auch anderen Leuten von anderen Instanzen folgen und ihre Toots in meiner Timline sehen (und natürlich umgekehrt).

Bei der Auswahl der Instanz, auf der man einen Account haben will, kann man nun verschiedene Kriterien anlegen. Zuerst guckt man sich diese Liste hier an.

Tipp: Wenn Du beruflichen Austausch suchst, ein bestimmtes Hobby oder bestimmte Interessen hast, nimm eine Instanz, die sich Deinem Thema verschrieben hat. Du kannst dann einerseits Deine Timeline, die aus Deinen Followings generiert wird, sehen, als auch eine lokale Timeline dieser Instanz, in der das jeweilige Thema automatisch Schwerpunkt ist.

Ansonsten kannst Du auch eine lokale Instanz auswählen (nrw.social, norden.social etc) oder einfach eine große (mastodon.social).

Keine Angst, man kann auch incl. der Follower:innen und Followings zwischen den Instanzen umziehen, wenn man merkt, dass die Instanz doch nicht passt. Lediglich die alten Toots bleiben beim alten Server.

Damit Userkonten instanzübergreifend adressiert werden können, ist der „volle Name“ bei Mastodon ähnlich wie eine Mailadresse: @volkerk@nrw.social wäre beispielsweise ich.

Der Toot

Es gibt mehrere Dinge, die auf Mastodon möglich sind und aus Höflichkeit auch gerne gemacht werden.

Bildbeschreibungen. Wenn ich ein Bild an einen Toot hänge, habe ich 1.500 Zeichen Platz, um für Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit eine Bildbeschreibung unterzubringen. Das tut nicht weh und kostet kaum Zeit.

Content-Warnungen. Es gibt immer wieder Themen, die für Betroffene belastet sind oder über die nur man zwar etwas schreiben, aber den anderen nicht auf die Nerven gehen will. Content-Warnung besteht aus eben dem Hinweis, worum es im Toot geht. Der Toot wird erstmal nur aus der Content-Warnung bestehen, erst, wenn man auf die Warnung klickt, sieht man den Inhalt.

NSFW-Bilder. Manche Bilder können verstörend sein, man kann sie aber separat als heikler Inhalt, also „not safe for work“ markieren, dann werden sie ähnlich wie bei der Content-Warnung erst nach einem Klick sichtbar.

Wenn man den Toot dann in seiner Timeline hat, kann man ihn schlicht wahrnehmen und lesen, man kann ihn aber auch gut finden und ein Sternchen dranhängen. Die Sterne sind nicht nur für die Autor:in sichtbar, einen Contest um den Toot mit den meisten Sternen gibt es aber (heute noch) nicht. Vielleicht programmiert ja jemand sowas wie den alten „Favstar“ für Mastodon, dann können alle, die das wollen, am Wettstreit um die meisten Sterne teilhaben.

Boosten ist das, was man auf der „Vogelseite“ als Retweet bezeichnet. Also ein Teilen des Toots mit den eigenen Follower:innen. Will ich der Autor:in signalisieren, dass mir der Toot gefällt, klicke ich auf den Stern, will ich die Reichweite erhöhen, booste ich ihn. Man kann auch beides machen.

Antworten ist wie auf Twitter. Nur halt, dass ich die Antworten mit einem einfachen Klick auf „nicht gelistet“ aus der Timeline meiner Follower:innen raushalten kann.

Drei Timelines

Wer Mastodon nutzt, hat immer drei Timelines, deren Anzeige er auswählen kann:

  • Die eigene mit den Toots der Followings
  • Die lokale Timeline mit allen öffentlichen Toots auf der eigenen Instanz
  • Die Föderierte Timeline, auf der alle Toots zu sehen sind, die User:innen der eigenen Instanz von anderen Instanzen über ihre Followings gesehen haben.

Das ist auf den ersten Blick verwirrend, aber am Ende nur anders als bei Twitter. Wer es nur wie bei Twitter haben will klickt auf die eigene Timeline, und gut ists.

Wer zum Thema seiner Instanz Toots sehen will, auf die lokale Timeline. Wer neugierig auf andere Accounts ist klickt auf die föderierte Timeline.

Und wie kriege ich meine Followings von Twitter rüber?

Gute Frage. Ich schreibe das hier, weil Elon Musk gerade Mastodon zum Feind erklärt hat. Aktuell (19.12.22, 18:15 Uhr) scheint der Fedifinder von Luca Hammer noch zu funktionieren. Der erzeugt eine Datei mit allen identifizierbaren Mastodon-Namen der eigenen Followings. Diese Datei kann man dann im eigenen Mastodon-Profil unter Import/Export hochladen.

Die Anleitung steht im Fedifinder und sollte reichen. Allerdings setzt der Fedifinder voraus, dass man seinen Mastodon-Handle im Twitter-Profil angibt, was ja seit heute ein Verstoß gegen die Twitter-Richtlinien ist.

Weitere Fragen? In die Kommentare damit, dann gibt es einen zweiten Teil.

Kategorien: Allgemein

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[…] hatte vor ein paar Tagen in Mastodon für Umsteiger die ersten Schritte beschrieben, wenn man ins Fediverse […]

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